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Ärger mit der Laubentsorgung

GN vom 2. September

Der Leserbrief von Willi Bihn ist zwar umfangreich, es lohnt sich dennoch, sich ins Thema zu vertiefen. Welche Meinung haben Sie? Schreiben Sie uns.

 

info[at]grenzlandnachrichten.de

 

Am Samstag, 12. Juni, habe ich in meinem Garten (circa 1.300 Quadratmeter) einige Sträucher und Bäume beschnitten. Die dabei angefallene Menge an Schnittgrün war natürlich wieder viel zu groß für die braune Tonne. Da mich die „Abzocke“ am Entsorgungsstandort Viersen II an der Hindenburgstraße in Süchteln seit Jahren ärgert, habe ich das Schnittgrün gebündelt und am 14. Juni zur Abholung angemeldet.

 

Als Abholtermin wurde mir der 13. August genannt (also zwei Monate später). Auf meine Bitte nach einem früheren Termin, wurde mir mitgeteilt, dass dies aufgrund der „Sommerpause“ bei der Grünabholung nicht möglich sei.

 

Ich frage mich nun: Warum muss bei der Grün-Abholung eine zweimonatige Sommerpause eingelegt werden? Warum muss diese „Pause" ausgerechnet mitten in der Wachstumsphase gemacht werden, wo doch im Winter ohnehin eine natürliche Pause bei den Grünabfällen stattfindet?

 

Ähnlich unglücklich verhielt man sich auch nach den Unwettern am 10. und 12. Juli diesen Jahres, denn auf meine Anfrage, ob es eine Sonderregelung gäbe, wurde ich auf die „normale" Grünentsorgung per brauner Tonne beziehungsweise Bündelabholung verwiesen. Zwei umgestürzte Bäume und circa 18 Kubikmeter Astwerk lassen sich, wie wohl jeder normale Mensch nachvollziehen kann, auf diese Art aber nicht entsorgen. Also fand die Entsorgung wieder mal auf meine Kosten statt.

 

Große Bäume stehen auf meinem Grundstück nicht nur, weil sie Schatten spenden und ich sie schön finde, sondern auch, weil sie einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die vier verbliebenen etwa 50 Jahre alten Buchen erzeugen an einem einzigen Sommertag etwa 16.000 Liter Sauerstoff. Dazu „verbrauchen“ sie entsprechende Mengen Kohlendioxyd (CO2), auch bekannt als „Treibhausgas" und Verursacher des Klimawandels. Aber gibt es dafür eine Wertschätzung oder gar ein Entgegenkommen? - Natürlich nicht!

 

Leute, die sich eine Solaranlage aufs Dach setzen, bekommen dafür staatliche Zuschüsse und können den erzeugten Strom an ihren Stromlieferanten verkaufen. Gut so! Aber was ist mit Leuten, die durch ihre Gartengestaltung versuchen, dem Klimawandel entgegenzuwirken? Fehlanzeige!

 

Dabei ist die Ökobilanz eines Baumes natürlich ungleich besser als die einer Solaranlage. Mal abgesehen von der Menge fossiler Brennstoffe (Öl) und der durch die Herstellung benötigten Energie, erzeugt eine Solaranlage Strom ohne CO2-Emmission. Ein Baum wandelt CO2 in Sauerstoff (O2) und Kohlenstoff (C) um und benötigt zu seiner „Herstellung“ keine begrenzt vorhandenen Res­sourcen!

 

Aber was nutzt die schöns­te Ökobilanz, wenn die Praxis ganz anders aussieht? Anschaffung und Pflege sind nicht nur zeit- und kostenintensiv, die Entsorgung beschädigter oder umgestürzter Bäume stellt, leider und völlig unnötiger Weise, auch erhebliche finanzielle und organisatorische Probleme dar:

1. Nachdem die Bäume endlich eine stattliche Größe (nach etwa 15 bis 20 Jahren) erreicht haben, fallen auch entsprechende Mengen an Ästen und Laub an, die sich über das jetzige, völlig unzureichende, System via brauner Tonne mit 14-tägiger Leerung oder Bündelabfuhr nach Anmeldung mit teilweise unzumutbaren Wartezeiten, nicht entsorgen lassen. Meine Bäume verlieren ihr Laub nun leider nicht in kleinen Häppchen à 250 Liter/14-tägig, sondern innerhalb weniger Wochen im Herbst, dafür aber dann in Mengen von circa zehn bis 15 Kubikmetern. Da nutzt mir das braune Tönnchen dann recht wenig. Bündeln kann man Laub bekanntlich auch nicht. Es muss aber weg, da eine Lagerung beziehungsweise Kompostierung dieser Mengen in einem privaten Garten in der Regel nicht möglich ist. Also bleibt nur der kostspielige Abtransport über Gartenbaufirmen, oder die Anlieferung per PKW-Anhänger am Entsorgungsstandort. Aber auch das lässt sich die EGN (das von der Stadt Nettetal beauftragte Entsorgungsunternehmen) teuer bezahlen.

 

2. Die erheblichen Mengen Sauerstoff, die von den Bäumen produziert werden, lösen sich völlig lautlos und unsichtbar in der Luft auf und dienen allen Lebewesen zur Atmung. Daher lassen sie sich leider nirgendwo „einspeisen“ und „abrechnen“. Das es auch für das unschädlich gemachte CO2 keine Emissionsgutscheine gibt, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Damit kann man die negative Kostenbilanz also auch nicht aufbessern.

 

3. Wenn dann auch noch ein Unwetter Teile des Baumbestandes zerstört, kommt dafür (anders als bei einer Solaranlage) natürlich keine Versicherung auf. Die Entsorgung übernimmt dann natürlich auch nicht die Stadt, da es sich ja schließlich nicht um haushaltsübliche Mengen handelt. Also sind diese Kos­ten genau wie die Kosten für gegebenenfalls erforderliche Sicherungs- oder Fällarbeiten, Sie ahnen es schon, wieder das Privatvergnügen des Eigentümers. Das gilt übrigens auch für den Ärger mit den Nachbarn, da ein umstürzender Baum sich nicht immer an die Gartengrenzen hält.

 

Irgendwann ist aber auch die persönliche „Schmerzgrenze“ eines „Baumliebhabers“ erreicht und da es in vielen Städten und Gemeinden immer noch keine Baumschutzsatzung (soviel zur Wertschätzung) gibt, macht dann die Kettensäge der „grünen Lunge“ ein schnelles Ende.

 

Das sind einige Gründe, warum es immer weniger „richtige“ Bäume in unseren Gärten gibt und daran wird sich wohl auch nichts mehr ändern. Die Rahmenbedingungen stimmen einfach nicht mehr. Wenn die Verwertung von „Grünabfällen“ von den Entsorgungsunternehmen als unrentabel und aufwendig dargestellt wird, kann einem schon übel werden. Offensichtlich ist die Verbrennung von Plastikbechern und Verpackungen lukrativer und weniger lästig, als eine biologische Verwertung von Grünschnitt und Laub!

In was für einer Welt leben wir eigentlich?

 

Da drängt sich der Verdacht auf, dass einige Kommunen (hier Nettetal), beziehungsweise deren beauftragte (Groß) Unternehmen (hier EGN), mit der Entsorgung überfordert sind, oder darin nur eine „Lizenz zum Gelddrucken“ sehen. Vielleicht sollte man ja mal darüber nachdenken, ob Entsorgungsmonopole noch in unsere Zeit passen!

 

Willi Bihn

Flothend 15a

41334 Nettetal