Nettetal/Aachen. Für neue Aufregung im Fall des in Südafrika wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs angeklagten Pfarrers Georg Kerkhoff sorgt diese Woche ein Artikel im „Spiegel“.
Darin meldet sich ein 19-Jähriger namens Christoph zu Wort, der von schwerem Missbrauch, Sexspielen und pornographischen Fotos und Videos, die der Pfarrer erstellt haben soll, berichtet. Ein weiterer Betroffener spricht von Sexspielen unter Alkohol- und Drogeneinfluss.
Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft Krefeld in der Angelegenheit, wie Sprecher Hans Dieter Menden unserer Zeitung bestätigte. In den vergangenen Wochen befragte die Polizei mehrere Betroffene. Ins Rollen gekommen waren die Ermittlungen durch den unermüdlichen Einsatz von Johannes Heibel, Sprecher der „Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen“.
Er erhebt schwere Vorwürfe gegen das Bistum, „da sie ihrem eigenen Versprechen nach einer rückhaltlosen Aufklärung nicht nachgekommen sind“. Grund für die Auseinandersetzung ist ein Telefonat vom 8. Januar, bei dem sich der Vater eines 19-jährigen Sohnes an den Personalreferenten des Bistums, Heiner Schmitz, gewandt hatte. In diesem Telefonat berichtete er, dass sein Sohn als 13-Jähriger von Pfarrer Kerkhoff sexuell missbraucht worden sei.
Der Personalreferent habe den Vater nachdrücklich gebeten, seinen Sohn zur Offenlegung dieses Missbrauchsverdachtes zu bewegen. „Offenbar kam es in der Folge zu einem bedauerlichen Missverständnis“, wie der Sprecher des Bistums, Franz Kretschmann, gegenüber unserer Zeitung bestätigt. Während der Vater auf einen Rückruf vom Bistum wartete, ging das Bistum davon aus, dass sich der Sohn melden würde. „Bei diesen Anschuldigungen darf ich doch als Bistum nicht darauf warten, dass der Sohn sich meldet, sondern muss selbst aktiv an der Aufklärung mitwirken“, beschwert sich Heibel.
Nachdem sich die Familie und weitere Betroffene an Heibel wandten, wurde am 19. Februar Anzeige bei der Staatsanwaltschaft in Krefeld erstattet. Zeitgleich übergab Heibel seine Erkenntnisse wie Gesprächsprotokolle der Justiz. Nachdem mehrere Tage nichts geschah, wandte sich Heibel erneut an die Staatsanwaltschaft, mit der Bitte nach einer Hausdurchsuchung, da es Hinweise auf pornographisches Material gäbe, das sich im Besitz des Pfarrers befinden solle. Mitte März erfolgten die ersten Vernehmungen durch die Polizei, die Ermittlungen dazu dauern noch an. „Bis heute gab es noch keine Hausdurchsuchung, geschweige denn einen internationalen Haftbefehl, auf den die Kollgen in Südafrika dringend warten“, klagt Heibel.
Aus seiner Sicht handele es sich bei den Taten von Pfarrer Kerkhoff um den „allerschwersten sexuellen Missbrauch“, bei dem die Justiz hart durchgreifen müsse. „Das ist in meiner 20-jährigen Arbeit der ekligste Priesterfall, der mir bekannt geworden ist.“ Das Bistum bietet weiterhin Gespräche an und sagte zu: „Falls sich die Missbrauchvorwürfe bestätigen, wird Pfarrer Kerkhoff neben den strafrechtlichen mit allen Mitteln kirchlichen Rechts zur Rechenschaft gezogen werden und keinen Auftrag mehr zur Seelsorge im Bistum Aachen erhalten.“