Lobberich/Dornbusch. „Irmchen“ Bertges ist im Alter von 85 Jahren von uns gegangen. Sie führte im „Haus Bertges“ am Kölsumer Weg die Geschicke hinter dem Tresen, nun ist die Gaststätte seit einer Woche geschlossen.
Das 67. Preisskat-Turnier, das traditionell am Gründonnerstag hier stattfinden sollte, musste abgesagt werden. Vielen ist die traditionsreiche Bauernschänke am Kölsumer Weg sehr viel besser als „bei Irmchen“ bekannt. Hier trafen sich die Bewohner von Dyck, Rennekoven, Kölsum und aus Dornbusch. „Es war unser Kommunikationspunkt. Hier traf man sich, besprach Aktuelles“, sagt Alt-Bauer August Nelissen vom Kölsumer Weg. „Bei Irmchen“ war die letzte Kneipe in der Sektion. Schon vor mehr als 20 Jahren schloss die „Wilhelmshöhe“. Seit langem liegt „Haus Höfkes“ leer. Hermann Werle aus Rennekoven: „Irmchen wird uns fehlen. Hier gab es immer das leckerste frisch gezapfte Bier.“
Hier habe man sich auch ohne Konsumzwang getroffen. „Auf die Frage: Gibt’s was zu Essen, gab es Würstchen mit Brot. Dafür wurde dann aber eine Nachbarin zur Unterstützung gerufen. Jeder half Irmchen gern. Irmchen hinterlässt eine große Lücke in unserer Gemeinschaft.“
Irmgard „Irmchen“ Bertges hatte täglich geöffnet. Wenn unbekannte Fremde in der kleinen Gaststätte waren, dann blieben immer ein bis zwei Ortsansässige im
Schankraum, bis die Fremden weiterfuhren.
Gärtnermeister Hans Willy Heinen aus Leuth, der als Vorsitzender der Nachbarschaft „May“ und Aktiver im Heimatverein Leuth, mehrere Fahrradgruppen leitet, kehrte immer „bei Irmchen“ ein, wenn er dort mit dem Rad vorbeikam. „Manchmal bat sie uns, ein neues Fässchen anzuschlagen. Das haben wir immer gerne gemacht.“ Auf die Frage, wie lange sie die vor fast 400 Jahren gegründete kleine Gaststätte denn noch betreiben würde, antwortete sie immer: „Bis ich tot bin.“
Die unverheiratete kinderlose, immer freundliche Frau schlug auch immer wieder das Angebot ihrer Nichten und Neffen aus, die mehrmals in Viersen und Süchteln moderne altengerechte Wohnungen und „betreutes Wohnen“ anboten. „Hier muss man mich mit den Füßen zuerst raustragen. Ich gehe hier nicht weg“, bekräftigte sie.
So war es. Am Dienstag der vergangenen Woche bediente sie noch einige Stammgäste. Dabei klagte sie über Brustschmerzen. Sie schloss kurz vor 13 Uhr hinter den letzten Gästen ab. Kurz vor 15 Uhr rief sie ihren Neffen, einen Arzt an. Der fuhr sofort hin. Irmchen öffnete nicht mehr. Der Arzt musste eine Scheibe einschlagen, um die Eingangstüre zu öffnen. Er fand Irmchen tot im Flur.
Am vergangenen Freitag wurde Irmgard Berger auf dem Friedhof in Dornbusch unter großer Beteiligung der Bevölkerung beerdigt. Die Pfarrkirche in Dornbusch war überfüllt. Etliche Trauergäste mussten vor der Kirchentüre bleiben.
Was geschieht künftig mit dem „Haus Berger“? Der Erbengemeinschaft liegen mehrere Anfragen vor. Sie wäre auch bereit, die Gaststätte in gute Hände zu übergeben. Ob dies möglich ist, müssen die nächsten Wochen ergeben. Ein neuer Wirt benötigt eine neue Konzession. Erfahrungsgemäß sind damit hohe (Bau) Auflagen verbunden. Ob eine kleine Bauernschänke unter modernen betriebswirtschaftlichen Aspekten wirtschaftlich geführt werden kann, das muss noch berechnet werden.