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Aus Überzeugung: Engelke vor Gericht
Freitag, 15. Januar 2010, 10:36 Uhr

von:

THOMAS HOFFMANN


Kategorie: Startseite, Nettetal, Grenzland

Lobberich/Cochem. Ist Jericho ein Ort in der Eifel? Büchel liegt dort. Auf dem dortigen Fliegerhorst ist das Jagdbombergeschwader 33 zu Hause. Und: Auf dessen Gelände sollen Atomwaffen lagern. Ein Umstand, den Lobberichs evangelischer Pfarrer Dr. Matthias Engelke nicht hinnehmen kann.



Das brachte ihn vor den Richter. „Jericho ist - folgt man dem Alten Testament - auf gewaltfreie Art gefallen“, berichtete Engelke über den Hintergrund: „Siebenmal umkreisten die Israeliten die Stadt mit Pauken und Trompeten. Dann fielen die Mauern ein.“ Lobberichs Pfarrer, der zum Initiativkreis gegen Atomwaffen gehört: „Von 2002 an haben wir siebenmal vor dem Kasernengelände demonstriert - jedes Jahr einmal.“ Abschluss der „Jericho-Aktion“ war im Juli vergangenen Jahres. Doch schon lange vorher hat Engelke nicht geschwiegen: Immer und immer wieder sprach er die Atomwaffen-Problematik an. Auch als er noch Divisionspfarrer in Birkenfeld war. Hier ist die 2. Luftwaffendivision stationiert, zu der auch das Bücheler Geschwader gehört.

Die siebte Umrundung im Juli 2009 brachte den Kasernenzaun in der Eifel nicht zu Fall. Dennoch gelang es Engelke und anderen, das Gelände der Fliegerkaserne in Cochem-Brauheck zu betreten. Im Gepäck der Friedensaktivisten: Rosen und Flugblätter. „Es war die Invasion der Freundlichkeit“, erklärte der Pfarrer: „Wir verteilten Rosen an die Soldaten und forderten sie auf, keinen Dienst für Atomwaffen zu leisten, und Befehle, die mit ihnen zu tun haben, zu verweigern.“ Engelke erinnert sich: „Der Wachsoldat war verdutzt, wusste nach unserer freundlichen Begrüßung nicht, wie er reagieren sollte. Wir gingen an ihm vorbei, wandten keine Gewalt an. Wir taten auf dem Gelände, was man von uns verlangte. Nur eins nicht: Der Aufforderung, die Kaserne zu verlassen, folgten wir nicht.“ Die Wache verständigte die Polizei. Die kam, auch Feldjäger rollten an. Engelke und seine Mitstreiter wurden zur Polizeiwache gefahren. Der Kommodore des Jagdbombergeschwanders erstattete Anzeige und Strafantrag - wegen Hausfriedensbruchs.

Engelke erhielt einen Strafbefehl - 500 Euro Bußgeld an die Staatskasse, Bewährungszeit zwei Jahre. Sollte er in dieser Zeit wieder „straffällig“ werden, wären 15 Tagessätze à 100 Euro fällig.

Das nahm Engelke nicht hin und widersprach: „Ich kann doch so etwas nicht akzeptieren, ohne dem Richter meine Beweggründe zu schildern.“

Die Verhandlung vor dem Amtsgericht Cochem war am Montag. Dieter Junker, Prozessbeobachter der Rhein-Zeitung: „Lobberichs Pfarrer hat vor Gericht überzeugt. Richter und auch Staatsanwalt sahen Dr. Engelkes Motive als achtens- und ehrenswert an.“ „Kein vernunftbegabter Mensch kann für Atomwaffen und deren Einsatz sein“, stellte Richter Wilfried Johann fest: „Dennoch ist der objektive Tatbestand des Hausfriedensbruchs gegeben. Die Aktion entsprach nicht den demokratischen Spielregeln und muss bestraft werden.“ Sein Urteil fiel milde aus. Es blieb bei den Ansätzen des Strafbefehls, die Geldbuße von 500 Euro aber fließt nun an die Cochemer Tafel. „Atomwaffen sind eine Verachtung der Gaben Gottes“, sagt Engelke, „ich kann nicht schweigen, ohne mich schuldig zu machen.“ Seine Gemeinde steht hinter ihm. „Acht bis zehn Menschen haben Engelke begleitet“, berichtete Junker. Unter ihnen: Presbyterin Ute Fiebig. „Die Motive unseres Pfarrers sind ehrenhaft“, weiß sie, „er konnte es mit seinem Gewissen als Mensch, Christ und Pfarrer nicht anders vereinbaren, als zu handeln. Und er handelte für mich mit, tat und tut das, wozu mir der Mumm fehlt!“

Ob Engelke in seiner „Bewährungszeit“ schweigt und nicht mehr handelt, bleibt offen: Er will das Handeln der Politik abwarten und beobachtet den weiteren Verlauf kritisch. Vor allem Guido Westerwelle - der Außenminister hat den Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland gefordert.








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