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Hostert bleibt heißes Thema
Donnerstag, 23. April 2009, 14:19 Uhr

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GN-REDAKTION


Kategorie: Schwalmtal

Waldniel. Seit 1991 steht der Gebäudekomplex an der A52 leer. Im Volksmund trägt er noch seinen letzten Namen: „Kent School“. Das ist jedoch nur der kleinste Teil der Geschichte. Von 1963 bis 91 nutzten die Briten den Komplex tatsächlich als Schule. Gebaut worden ist er allerdings 1911 als „Josefsheim“ für lernschwache Jungen von Franziska-nermönchen. Das dunkelste Kapitel beginnt 1937. Da annektierten die Nationalsozialisten die Gebäude und errichteten die „Kinderfachabteilung“ der Rheinprovinz. Dort wurden viele Kinder nicht gepflegt sondern umgebracht.



Foto: Günther Jungmanns

Seit November 2006 gehört die Kent-School dem Brüggener Geschäftsmann Elmar Michael Janssen. Er ersteigerte das riesige Areal für 298.200 Euro.

Besitzer Janssen hatte viele Vermarktungsideen – bis heute ließ sich keine umsetzen. Donnerstag hatte er dann ein eher unliebsames Erlebnis mit seinem Besitz. Im Keller eines der hinteren Gebäude wurde eine Hanf-Plantage gefunden. Die Polizei hatte einen Tipp erhalten und die Pflanzen mit Hilfe eines Hubschraubers, der Wärmebilder lieferte, lokalisiert. Mehr als 1500 Pflanzen, die kurz vor der Ernte standen, trugen die Ermittler hinaus. Zum Marktwert äußert sich die Polizei nicht, „wir möchten niemanden anspornen, mit so etwas Geld verdienen zu wollen“, sagt Sprecherin Antje Heymanns. „Meist bringt so etwas nur eine Strafanzeige ein und sonst nichts“, warnt sie. Wenn man den Marktwert von sieben Euro pro Gramm in Venlo zugrunde legt, kommt man auf rund 315.000 Euro, die der Anbauer hätte „einfahren“ können, wenn die Polizei ihm nicht zuvor gekommen wäre.

Wer allerdings im Fokus der Ermittlungen steht, dazu schweigen die Beamten. Janssen hat seine Karten auf den Tisch gelegt: „95 Prozent des Geländes sind verpachtet, an einen Nachbarn, der dort Pferde untergebracht hat.“ Der wiederum soll gesagt haben, dass einer seiner Söhne Kellerräume untervermietet hat, er wisse nicht, an wen. Genau dieser Sohn war aber bei der großen Polizeiaktion am Donnerstag nicht erreichbar – er nahm an einem Lehrgang in den Niederlanden teil.

Für Janssen ist es nicht das erste Mal, dass in einer seiner Immobilien Schindluder getrieben wird. Auch eine Lagerhalle in Kaldenkirchen, in der vor vier Jahren eine Hanf-Plantage ausgehoben wurde, gehörte ihm. Er habe über 100 Gewerbeimmobilien zwischen Nettetal und Düsseldorf, erklärt der Geschäftsmann. „Da kann das schon mal vorkommen.“ Das sei einem potentiellen Mieter ja nicht anzusehen. Er traut seinem Pächter an der Kent-School auch eigentlich nichts Schlechtes zu. „Ja, er war ein bisschen langsam mit der Mietzahlung, aber ich war ja froh, dass jemand auf dem Gelände nach dem Rechten schaut.“ Sollte sich die unerlaubte Untervermietung jedoch als wahr herausstellen, erwägt er die Kündigung.

Schlüssel zu dem Objekt gibt es einige, „da kommen immer wieder Architekten rein, die Planungsvorschläge abliefern, außerdem wird dort jeden Monat etwas durch Fachfirmen repariert“, sagt Janssen.

Die Nachbarschaft war durch die Hubschrauber-Aktion der Polizei aufgeschreckt worden. In dem Haus, in dem der Pächter wohnte, herrschte helle Aufregung. Das Vermieter-Paar kam gerade von einer Beerdigung zurück, als die Beamten nach Pächter K. suchten und unbedingt ins Haus wollten.

Janssen dagegen scheint die neue Publicity für sein Objekt nicht unrecht zu kommen. Immerhin würde er immer noch gerne verkaufen – für 2,9 Millionen Euro. „Aber ich bin da sehr verhandlungsbereit“, sagt er. Denn im Moment ist das Ganze ein Minus-Geschäft. Gelegentlich wird das Gelände für ein Foto-Shooting genutzt – „Heute hat noch ein Fernsehteam rund um Verona Pooth angefragt“, sagt der Besitzer – oder für eine Feier.

Illegale Parties von Jugendlichen steigen dort öfter. Und auch die Esoterik-Szene hat die Kent-School für sich entdeckt. In einschlägigen Foren gibt es Einträge zu Gruselerlebnissen bei nächtlichen Besuchen der Gebäude.








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