Nettetal. Der Gartenbetrieb von Josef Beeren wird seit kurzem mit Pflanzenöl beheizt. Angesichts der gestiegenen Energiepreise entschied sich der Nettetaler Unternehmer für die Anschaffung eines Pflanzenöl-Blockheizkraftwerks (BHKW).
„Bisher wurde unser Betrieb mit Kohl und Öl beheizt, das wurde auf die Dauer ziemlich teuer“, so der Schaager. Mit der Wärme aus dem Blockheizkraftwerk wird eine Gesamtfläche von rund 10.000 Quadratmeter - davon 8.000 Quadratmeter Gewächshaus - beheizt. In diesen züchtet der Gärtner verschiedene Topf- und Schnittorchideen, sowie langsam wachsende Buchsbäume. Im Freiland ergänzen Enzian und Schleierkraut die Warenpalette. Hauptabnehmer des Betriebes ist die NBV UGA Herongen, die restlichen fünf Prozent werden im Hofladen an Privatpersonen verkauft.
„Auf die Idee, mir ein eigenes Blockheizkraftwerk anzuschaffen, kam ich durch einen Bekannten sowie verschiedenen Artikel in der Fachpresse“, erinnert sich Beeren. Die drohende CO2-Steuer sowie die stetig steigenden Energiepreise waren die letzten Gründe in einer langen Argumentationskette. „Letztlich stoßen wir mit unserem BHKW auch weniger Emissionen in die Luft aus“. Nachdem sich Beeren seit Februar vergangenen Jahres in die Thematik eingearbeitet hatte, entschied er sich für den Betrieb mit Pflanzenöl. „Ein großes Lob möchte ich den Stadtwerken aussprechen, die von der Vorbereitung bis zur Realisierung sehr gut mit uns zusammen gearbeitet haben“, so der Kaufmann.
Bevor man allerdings am 28. Dezember den Betrieb starten konnte, mussten auf dem Hof zahlreiche Vorbereitungen getroffen werden. Zunächst musste der sogenannte Puffertank mit 200.000 Liter Fassungsvermögen, eine Trafostation zur Einspeisung ins öffentliche Netz sowie der Generator gebaut werden. Das Blockheizkraftwerk arbeitet nach dem Prinzip der „Kraft-Wärme-Kopplung“. Das bedeutet, das BHKW erzeugt gleichzeitig Strom und nutzbare Wärme. Dabei sind Verbrennungsmotor und Heizkessel kombiniert. Der mit unbehandeltem Rapsöl betriebene Dieselmotor treibt einen Generator an, der nachdem Dynamo-Prinzip Strom erzeugt. Dieser wird in das öffentliche Stromnetz der Stadtwerke eingespeist.
Die im Kühlwasser und in den Abgasen des Motors enthaltene Wärme wird in die Heizungsanlage weitergeleitet zu einem sogenannten Abgaswärmetauscher, der die umliegenden Gewächshäuser heizt. Das Kraftwerk hat insgesamt eine Leistung von 400.000 KW. Aus 550 Tonnen Öl erhält er also 2,1 Millionen KW Strom. Mit dieser Leistung könnte er den Stadtteil Kindt sowie Teile von Schaag problemlos mit Strom beliefern. Durch die Nutzung der Abwärme, die beim Stromerzeugungsprozess in herkömmlichen Kraftwerken ungenutzt verpufft, lässt sich der Energienutzungsgrad des Gesamtprozesses auf 90 Prozent erhöhen. Gleichzeitig werden die CO2- Emissionen auf bis zu 30 Prozent reduziert.
Die neue Anlage kann allerdings noch mehr: Das aufgewärmte Wasser wird in den Rücklauf der Heizung eingespeist und erhält dort - durch die Beimischung von Kaltwasser - die ideale Heiztemperatur von 20 Grad. Bei starker Sonneneinstrahlung wird die produzierte Wärme in den Pufferspeicher eingespeist, der diese in der Nacht wieder abgibt. Beeren hofft, den derzeitigen Jahresverbrauch von 280 Tonnen Kohle um 180 Tonnen auf 100 Kohletonnen zu reduzieren. Sein Ziel ist es allerdings, im kommenden Sommer ganz ohne Zufeuerung auszukommen.
Für die umweltschonende Wärme musste Beeren 420.000 Euro investieren und gemeinsam mit seinem Vater Hans die „Beeren Energie GmbH“ gründen, denn als Landwirt darf er keinen Strom an die Stadtwerke verkaufen.
„Durch den Verkauf des Stroms rechnet sich die Anlage wieder. Unsere Einspeisung ins öffentliche Netz geschieht ähnlich wie bei einem privat betriebenen Windrad“, erläutert der Schaager. Die Wirtschaftlichkeit der Anlage stellt sich bei 6.000 Arbeitsstunden im Jahr ein. Um sein Einfamilienhaus einen Monat lang kuschelig warm zu heizen, müsste die moderne Anlage nur eine Stunde insgesamt laufen. Neben der wartungsintensiven Anlage gibt es einen weiteren kleineren Nachteil: „Wenn jetzt Hurricanes über Brasilien, Amerika oder Argentinien hinweg ziehen, bange ich mit, denn dann könnten die Rapsölpreise enorm ansteigen“, scherzt der Fachmann.
Die Orchideenfarm Beeren finden Sie an der Landstraße (L 373) zwischen Boisheim und Brüggen, Happelter 6b, in Nettetal-Schaag.